Stadtteilmanagement
Heidenau-Nordost

Hinter den Kulissen: Bauhof

17 Grad Celsius und Nieselregen. Als ich am Vortag noch die Sonnencreme ins Auto legte, rechnete ich mit besseren Aussichten für meinen Besuch beim Bauhof. Aber das zeigt doch gleich, dass die MitarbeiterInnen auch bei Wind und Wetter auf unseren Straßen und Plätzen aktiv sind. Die leuchtend „orangenen Männlein“ sind aus dem Stadtbild gar nicht wegzudenken. Doch was machen sie eigentlich? „Blumen gießen und Mülleimer leeren.“, kam mir sofort in den Sinn, doch dieses einseitige Bild sollte sich während meines Tages drastisch ändern. Aber beginnen wir von vorn…

Mehrmals pro Woche werden Spielplätze kontrolliert und Mülleimer geleert.

Eine Stunde früher als üblich kam ich nach Heidenau und als ich meine Schicht begann hatten einige Kollegen bereits die ersten Runden im Stadtgebiet hinter sich. „Besonders im Winter oder bei Straßenarbeiten beginnen wir oft sogar schon 4 Uhr morgens, um den Berufsverkehr nicht zu stören“, verriet mir mein „Praktikumsbetreuer“ an dem Tag.

Meine erste Station war die große Müllrunde. Etwa 150 Mülleimer wollen wöchentlich zwei- bis dreimal geleert werden. Dazu kommen 20 Containerplätze und etwa zwei Dutzend Hundetoiletten. Damit man das schafft, ist Akkordarbeit angesagt. Wir wollten keine Zeit verlieren und ich durfte im Müllsammelfahrzeug direkt vorn links Platz nehmen. Doch keine Sorge, es handelt sich hierbei um einen Rechtslenker, um nicht immer auf der gefährlicheren Straßenseite aussteigen zu müssen. Anhalten, aussteigen, Mülleimer entriegeln, auskippen, verschließen, einsteigen, losfahren. Genau dieser Ablauf war nun viele Dutzend Mal nötig und nach einer halben Stunde merkte ich bereits, dass die enorme Einstiegshöhe des Fahrzeugs und die durchaus massiven Mülleimer eine scheinbar simple Aufgabe zur körperlichen Herausforderung ausarten ließen.

Alle Arbeiten werden dokumentiert, sodass später bei eventuellen Beschwerden genau belegt werden kann, was wann geleert wurde. So langsam kam ich in einen guten Rhythmus, bis ich feststellen musste, dass es die scheinbar kleinen Dinge sind, die so richtig Zeit fressen. Mal eine zerbrochene Glasflasche hier und ein bisschen Hausmüll dort. Das Aufsammeln der vielen achtlos fallengelassenen Dinge bremste uns immens aus. Und mal ganz ehrlich: Es nervte! (Bitte nutzt die zahlreichen Mülleimer und zerschlagt eure Glasflaschen nicht sinnlos an Hauswänden!)

Von meinem Kollegen erfuhr ich jedoch noch ganz andere Geschichten: Schrankwände und Elektrogroßgeräte auf Containerplätzen, Tierkadaver im Mülleimer und letztlich ein Hamsterkäfig samt lebenden Hamster, achtlos weggeworfen.

Keine 24 Stunden nach meinem Arbeitseinsatz sah es auf dem Marktplatz leider schon wieder so aus. Muss das sein?

Am Bauhof bleibt es letztendlich hängen und ich zweifelte bei einigen Geschichten ganz ehrlich für einen Moment an der Vernunft der Menschen. Wenn dieser unnötige Mehraufwand nicht notwendig ist, hat der Bauhof auch mehr Kapazitäten, sich um „wichtigere“ Dinge zu kümmern. Es liegt also an uns!

Aber natürlich kümmert sich der Bauhof nicht nur um den Müll in der Stadt. Während meiner Fahrt nutze ich die Zeit, den Kollegen mit Fragen zu löchern. Und was ich erfuhr, erstaunte mich. Die Aufgabenbandbreite ist wirklich immens: Beschilderung, Fahrbahnmarkierungen, Schlaglochflickung, Reinigung von Straßenwasserabläufen, die gesamte Grünpflege, Installation und Prüfung elektrischer Anlagen, Winterdienst, … Und das ist nur ein Auszug aus der offiziellen Aufgabenübersicht.

Im Laufe der Zeit siegt die Bepflanzung über den Gehweg und es entstehen gefährliche Stolperfallen.

Um einen hoch aktuellen Eindruck zu bekommen, lud mich der Kollege zum Mittag bei der Truppe vom Wegebau ab. Jetzt gerade wird ein Großteil der in die Jahre gekommenen Gehwege saniert. Durch Wurzelwerk herausgedrückte Gehwegplatten stellen vielerorts eine Stolpergefahr dar und damit es nicht erst zum Unfall kommt, werden betroffene Wege regelmäßig erneuert. Das favorisierte Verfahren ist die „Gehwegsanierung mit Bitumenemulsion“ oder das „Anspritzen“ wie die Profis vom Bauhof es kurz nennen. Dabei werden mehrere Schichten mit unterschiedlich feinem Splitt quasi mit dem Untergrund „verklebt“. Es entsteht eine schöne und saubere Oberfläche, die den Herausforderungen des Alltags optimal gewachsen ist und bei Bedarf auch unkompliziert ausgebessert werden kann. Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist, dass in relativ kurzer Zeit eine recht große Wegstrecke saniert werden kann. Und das ist auch notwendig, wenn man bedenkt, dass sich die Kollegen in diesem Bereich um insgesamt etwa 53km Straßen und noch einmal dem Doppelten an Gehwegen kümmern müssen.

Den drei Männern merkte man sofort an, wie gut sie als Team eingespielt waren. Jeder hatte seine feste Aufgabe und so entstand Meter um Meter frischer Gehweg in einer für mich als Laien beeindruckenden Geschwindigkeit.

Immer im Rhythmus: „Klebstoff“ auftragen, Splitt verteilen und Fläche ebnen.

Es war wirklich schön zu sehen, dass auch in der alljährlichen Urlaubszeit keine wichtigen Aufgaben auf der Strecke bleiben. Denn immer wieder hört man Beschwerden, dass hier und dort dringend dies und jenes gemacht werden muss. „Ein Großteil unserer Arbeit wird von den HeidenauerInnen leider gar nicht wahrgenommen.“, erfuhr ich vor Ort. „Wirklich bemerkt wird man nur, wenn man mal wieder „im Weg steht“ oder ein frischer Schaden noch nicht repariert wurde.“, erklärte der Kollege weiter. „Natürlich würde man sich auch einmal über ein paar nette Worte freuen, aber oft ist es Lob genug, wenn keine Beschwerde kommt.“, verriet mir der Bauhof Mitarbeiter mit einem frechen Schmunzeln.

So sehen die frisch sanierten Gehwege nach Ihrer Behandlung aus.

Was habe ich bei meinem Tag beim Bauhof gelernt? Zum Einen natürlich, dass ich von vielen Aufgabenbereichen bisher gar nichts wusste. Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass man die Dinge die einfach funktionieren gar nicht bemerkt. Und das scheinen wirklich viele zu sein. Zum Anderen wurde mir recht schnell klar, dass dieser eine Tag bei weitem nicht ausreicht, um mir einen vollumfänglichen Eindruck zu verschaffen. Wenn man mich also demnächst wieder in orangefarbener Uniform sieht, dann arbeite ich gerade am Folgeartikel.