Stadtteilmanagement
Heidenau-Nordost

Hinter den Kulissen: AMS

AMS, die bilden doch Schweißer aus, oder? Mein Bild vom Schweißen war bisher immer ein recht simples. Man nehme zwei Metallteile, erhitze eine Stelle stark und schon sind sie verbunden. Ob das so korrekt ist und was sonst noch hinter den Toren passiert, wollte ich bei meinem Besuch vor Ort erfahren.

Transparenz wird bei vielen Unternehmen ganz groß in die Leitlinien geschrieben. In der Realität ist davon jedoch meist letztlich nur noch wenig zu merken. Herr Rokasky, der Geschäftsführer der AMS, wirbt ebenfalls mit Transparenz und das es sich bei diesem Beispiel nicht nur um eine schöne Floskel handelt, wurde mir direkt nach der herzlichen Begrüßung klar. Ich durfte mich wirklich überall frei umschauen und der Rundgang führte letztlich sogar bis ins Archiv. Einem authentischen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens stand also nichts mehr im Weg.

Am Ende unseres Rundgangs kamen wir in die Holzwerkstatt (Überraschung Nr. 1: Die AMS macht auch Sachen mit Holz!) wo ich das aktuelle Schülerprojekt kennenlernen durfte. Wie ich im Gespräch mit dem zuständigen Ausbilder erfuhr, bekommen hier Gruppen von lernschwachen SchülerInnen die Chance, mathematisch-physikalische Zusammenhänge an praktischen Beispielen in der Werkstatt besser verstehen zu können.

Was das konkret bedeutet und wie wichtig die Verbindung von Theorie und Praxis ist, wurde mir im Laufe des Vormittags klar.

Viele der SchülerInnen taten sich bei den Theorieaufgaben am Morgen noch sehr schwer, Maßeinheiten umzurechen oder Arbeitsschritte zu beschreiben. Als es im Anschluss jedoch an die Werkbänke ging, war von diesen Problemen plötzlich nichts mehr zu spüren. Ganz selbstverständlich wurde berechnet, gesägt und miteinander verschraubt.

Letztlich wurden genau die Sachverhalte intuitiv angewandt, welche wenige Minuten vorher auf dem Papier noch große Sorgen bereiteten. Wie ich finde, ein ganz wichtiges Angebot! Die tolle Atmosphäre im „Unterricht“ wurde nicht zuletzt vom super motivierten Ausbilder getragen, der meiner Meinung nach insgeheim über mehr als zwei Augen und zwei Arme verfügen muss, um die Rasselbande so effektiv und geduldig bei der Stange halten zu können.

Nach der Pause stand dann das Kontrastprogramm auf dem Plan. In der Schweißwerkstatt sollte ich einmal selbst erfahren können, ob meine recht naive Vorstellung vom Handwerk etwas mit der Realität zu tun hat. Doch bevor es los geht, schlüpfte ich in die bekannte grüne Arbeitsuniform. Zum Einen damit ich in meinem Bürooutfit nicht der bunte Hund in der Halle bin und zum Anderen natürlich allein schon aus Sicherheitsaspekten.

Schon beim Betreten der Halle fallen mir unzählige Möglichkeiten ins Auge, wie ich mich aus Versehen selbst entzünden könnte. Und damit genau das nicht passiert, steht mir Ausbilder Ramzi mit Rat und Tat zur Seite. Nach einer kurzen Einführung verschaffte er mir einen „ganz groben“ Überblick zum Schweißen und mir wurde sofort klar, dass mein ursprüngliches Bild so rein gar nichts mit der Realität zu tun hat. (Überraschung Nr. 2!)

Es gibt ein gefühltes Dutzend verschiedener Schweißprozesse mit gefühlt unzähligen Schutzgas- und Zusatzstoffvarianten und letztlich sogar noch völlig verschiedenen Schweißpositionen. Schnell wurde mir klar, dass die Bandbreite und Komplexität der Angelegenheit doch etwas mehr erfordert, als nur zwei Metallstücke irgendwie zu erhitzen.

Ramzi zeigte mir an den verschiedenen Stationen die ganzen unterschiedlichen Schweißtechniken und erläuterte mir die jeweiligen Anwendungsfälle. Auch stellte er mir bei der Gelegenheit das Kollegium und seine Auszubildenen vor.

Das Team ist wirklich bunt gemischt, was Herkunft, Alter oder Vorgeschichte angeht. Und allein mein „persönlicher Ausbilder“ an dem Tag ist ein hervorragendes Beispiel für gelungene Integration. Die Arbeit in der Truppe macht wirklich Spaß, das merkte ich sofort.

Und dann fragte mich Ramzi mit einem verschmitzten Lächeln, ob ich es denn nicht selbst einmal probieren möchte.

„Ob das wohl als Arbeitsunfall anerkannt wird?“, schoss mir noch durch den Kopf bevor ich das Angebot spontan annahm.

Ausgestattet mit der schweren Lederschürze, dicken Handschuhen und der Schweißmaske fühlte ich mich quasi unbesiegbar und hatte dennoch gehörigen Respekt, als ich die Flamme am Schweißgerät das erstmals entzündete.

Durch das dunkle Glas blickend hatte ich anfangs das Gefühl, mehr oder weniger blind zu schweißen und war am Ende froh, dass ich das Werkstück nicht am Tisch festgeschweißt habe.

Über meine erste Schweißnaht möchte ich an dieser Stelle besser nicht berichten. Ich verrate nur soviel: Direkt danach zeigte mir jemand wie es wirklich aussehen sollte und als ich dann erfuhr, dass er Auszubildender im ersten Lehrjahr ist, musste ich mir eingestehen, dass ich in diesem Leben wohl kein talentierter Schweißer mehr werde.

Inoffiziell, wurde mir gesagt, steht AMS (Ausbildungsgesellschaft für Metalltechnik und Schweißer) für „Ausbildung macht Spaß“. Wenn ich meinen Tag im Unternehmen Revue passieren lasse, könnte das tatsächlich wahr sein.

Im Anschluss besuchte ich noch das Kinder- und Jugendhaus AMBOS, aber darüber berichte ich demnächst separat.